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The long way to Kona zur Übersicht
 
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22.08.2017 21:21 Uhr von Grit  

Beiträge: 352
Challenge Roth 2017

Ja dann mach mal hinne mit Deinem Sabbatjahr - vielleicht kiegste ja noch einen Platz für HH - unser nächstes Projekt in 2018 GrinsDumdidum
 
21.08.2017 21:52 Uhr von Markus  

Beiträge: 245
Challenge Roth 2017

Ich kann nur neidvoll nach Oben blicken ....gutes Ergebnis
AnbetungswürdigAnbetungswürdigAnbetungswürdig
Mensch hätte ich auch mal Lust darauf ...ich werde bei der Familie
und beim Chef mal ein Sabbatjahr beantragen und dann mache ich mit.

Gratulation an Euch 2 ..... Küßchen
 
18.08.2017 17:21 Uhr von Johannes  

Beiträge: 126
Challenge Roth 2017

Klasse Bericht.
Manchmal passt es einfach.
Nochmals Gratulationen Laola
zu den Bomben Zeiten.
AnbetungswürdigAnbetungswürdig
 
18.08.2017 16:45 Uhr von Michael  

Beiträge: 204
Challenge Roth 2017

Sehr schön! LaolaAnbetungswürdigSuper !!!

Partiell erinnert mich das sehr an mein eigenes LD Debüt. Wen wundert´s 😉
Schön, dass ich live dabei sein konnte!
 
18.08.2017 16:30 Uhr von Grit  

Beiträge: 352
Challenge Roth 2017

Der sportliche Jahreshöhepunkt sollte in diesem Jahr für Stephan und mich die Langdistanz in Roth werden SchwimmenRädchen fahrenLaufen
Während Stephan hier ja bereits 2010 am Start stand und mit seinen etlichen Langdistanzen ja auch schon auf eine umfangreiche Erfahrung zurückgreifen konnte, sollte es meine 1. LD überhaupt werden. Als Zuschauer 2010 und Staffelläuferin 2016 war für mich klar, dass meine Premiere auf der langen Strecke in Roth stattfinden soll. Die einmalige und vor allem herzliche Atmosphäre im kompletten Landkreis Roth ist großartig und macht diesen Wettkampf zu etwas ganz Besonderem für Athleten und Zuschauer. Laola

Acht lange Monate hatten wir uns auf das Training konzentriert Hammer und größtenteils sogar zusammen auf diesen Tag vorbereitet. Neben viel Arbeit waren unsere Tage geprägt von langen Radausfahrten, Frühschwimmen, etlichen Trainingsstunden bis in den späten Abend hinein und möglichst viel Schlaf. Auch ein Trainingslager auf Mallorca haben wir im April gemacht brachten von dort bereits viele (Rad)kilometer mit nach Hause.
Glücklicherweise blieben wir Beide während dieser langen Zeit von größeren Krankheiten etc. verschont und so kam es nur zu dem ein oder anderen kürzeren Ausfall. Gerade für mich war es dabei oft eine Gratwanderung, das Training so zu gestalten, mich nicht zu überlasten und dennoch die gewünschte Leistungssteigerung zu erzielen. Der Unterschied zum alten Hasen Stephan war hier schon gravierend. Die Erfahrungen aus den hohen Umfängen der letzten Jahre machten es ihm da in vielen Situationen leichter. Ein paar kleine Zweifel, ob dann alles wie gewünscht funktionieren wird, blieben zwar - am Ende waren wir uns aber Beide sicher, dass wir gut vorbereitet in den Wettkampf gehen konnten
Top

Bereits am Donnerstag fuhren wir also nach Roth und trafen dort auf Ramona, Torsten, Dany und Andreas aus HH, die dort als Staffel antreten wollten. Strategisch günstig hatten sie ihr Womo wieder direkt am Veranstaltungsgelände geparkt, so dass es über alle Tage immer wieder zum Treffpunkt für uns wurde BravoDanke

Die Tage vor dem Wettkampf waren geprägt von Probeschwimmen, letzten Checks des Materials, Beutel packen, ständigem Essen und Trinken, Ausruhen, einer unfassbaren Hitze jenseits der 30° und einer Riesenüberraschung, für die Micha und Diana sorgten. Die Freude war riesig, als sie am Samstagnachmittag auf dem Messegelände plötzlich vor uns standen. Mit so viel Support (auch von den Hamburgern) konnte ja eigentlich auch nichts mehr schiefgehen. Vertragen
Selbst ich, als bekennendes Nervenbündel vor manchem Wettkampf, blieb erstaunlich ruhig und hatte so eine innere (selten gekannte) Sicherheit. Der Kanal, die Wechselzone, das Messegelände – alles war so vertraut und gab mir diese total beruhigende Gefühl. Irgendwie war es so selbstverständlich, zu diesem Zeitpunkt dort zu sein! Es durfte nur nix am Material kaputtgehen – dann würde ich es schon irgendwie schaffen. Den Wettkampf genießen, nix überzocken und auf dem roten Teppich noch ein Lächeln übrig haben, war meine Taktik Zwinkern

Am Sonntagmorgen hieß es dann bereits um 3.00 Uhr aufstehen, Tattoos anbringen, Sonnencreme auftragen, Frühstücken und pünktlich um 5.00 Uhr waren wir am Kanal in Hilpoltstein. Fast mystisch ist dort die Stimmung und bereits in diesen frühen Morgenstunden säumen unendlich viele Fans und Supporter die Bereiche rund um den Kanal. Die letzten Handgriffe am Rad, die Abgabe der Beutel, das Anziehen des Neos – alles verlief für uns ruhig und ohne jegliche Hektik. Eine letzte Umarmung und dann ging es für Stephan bereits kurz nach den Profis um 6.50 Uhr ins Wasser.

Mein Start war mit der 2. Frauengruppe für 7.00 Uhr angesetzt. Früh ging ich ins Wasser, um mich einzuschwimmen und an die Startlinie zu kommen. Natürlich hatte ich großen Respekt vorm Schwimmen – hatte ich doch in der Vergangenheit viel zu häufig mit Atemproblemen zu tun. Als dann der Kanonenschuss für unseren Start ertönte, hab ich kurz durchgeatmet, die anderen Mädels schon mal schwimmen lassen und bin ganz locker los. Überraschenderweise blieben sämtlich Probleme aus und ich konnte gleichmäßig und ohne große Anstrengung schwimmen. Bereits an der Wende fühlte ich mich so unglaublich gut – es schien irgendwie zu funktionieren. Happy, mit genügend Luft und lockeren Beinen kam ich aus dem Wasser und schaute auf meine Uhr. Ich konnte es kaum glauben, denn ich war tatsächlich unter 1.30 Std. geblieben. Geil!!! Im Zelt habe ich dann eine Helferin nochmal nach der Uhrzeit gefragt, weil ich es einfach nicht glauben konnte. Neo aus, Badebuxe runter, Radbuxe hoch, Gel gefuttert – klar hätte der Wechsel schneller gehen können, aber ich wollte bewusst Tempo rausnehmen und mich auf den nächsten Part konzentrieren.

Und dann ging es rauf auf´s Rad. Die ersten Kilometer waren schnell – viel zu schnell – und mein Puls meldete Zahlen, die ich so eigentlich nur bei Steigungen sehen wollte. Also nahm ich etwas raus und fing direkt an, mich ordentlich zu verpflegen. Alle 20 min. gab es einen großen Schluck aus meiner Gelflasche und dann noch ordentlich Wasser hinterher. Ich vertrug es gut und mein Körper meldete keinerlei Energieloch. Ganz im Gegenteil – auch hier fühlte ich mich durchgängig super. Glücklicherweise waren wir im Juni ja die Strecke mal abgefahren, so dass ich ungefähr wusste, was wann auf mich zukommt. Die Strecke ist wirklich sehr schön, die Kurven alle recht gut fahrbar, die Berge nicht zu steil und der Asphalt absolute Spitze. Unterwegs immer wieder Stimmungsnester, wo einen die Zuschauer unglaublich anfeuern. Absolutes Highlight ist dabei natürlich der Solarer Berg, aber auch am Kalvarienberg bei Greding war mächtig was los Laola. Das hat einfach Spaß gemacht! Lediglich der Wind war an manchen Stellen etwas eklig, aber irgendwie hatte das Wetter ein Einsehen und außer ein paar dunklen Wolken blieb es recht ruhig. Auch die Temperaturen waren angenehm und die Hitze der vorherigen Tage war glücklicherweise weg. Meine Beine waren durchgehend gut, mein Rad hat gehalten, der Rücken auch, die Ernährung hat super geklappt und so verging die Zeit auf dem Rad gefühlt recht schnell. Immer noch gut drauf kam ich nach 6.10 Std. in die WZ 2 und auch dies war schneller, als ich ursprünglich mal gedacht hatte. Hier hieß es dann erst mal wieder recht entspannt: Buxe runter, nächste Buxe rauf, Gel geschlürft, Kappe auf und weiter!

Viel zu schnell (obwohl vorher so oft anders geplant) ging ich natürlich das Laufen an. Nach dem ersten Kilometer traf ich auf Micha und Diana und hörte, dass Stephan bis dato auch gut unterwegs war. Ein paar leichte Rückenschmerzen nach dem Radfahren hatten ihm das Laufen anfangs wohl leider etwas beschwerlich gemacht. Während er seine 1. Runde also schon fast hinter sich hatte, ging es für mich gerade erst richtig los. In Gedanken hatte ich mir die Strecke in einige Teilabschnitte eingeteilt und wollte diese Stück für Stück "abarbeiten". Da die Laufstrecke fast komplett von Zuschauern gesäumt ist und mitten durch Roth geht, ist sie eigentlich recht kurzweilig und man trifft auch ganz häufig auf die Freunde an oder Bekannte Gesichter auf der Strecke. Zwischen KM 8 und 11 hatte ich ein kleines Tief und dachte für den Moment schon, dass es jetzt vorbei mit lustig wäre. Doch glücklicherweise hielt es nicht so wahnsinnig lange an und Gels, Iso, literweise Wasser und kurze Gehpausen zum Verpflegen ließen mich beständig weiterlaufen. Das Anfeuern der Zuschauer trug mich zusätzlich und so hatte ich tatsächlich keinen wirklichen Einbruch. Als ich dann beim HM am Markplatz von Roth auf die Kirchenuhr schaute, registrierte ich erstmalig, wie großartig ich in der Zeit lag. Von da an gab es irgendwie kein Halten mehr und ich lief einen Kilometer nach dem Anderen runter. Das fette Grinsen – welches ich gefühlt schon den ganzen Tag im Gesicht hatte – wich nun gar nicht mehr aus meinem Gesicht. Grins Natürlich war mir klar, dass auch auf den letzten Kilometern noch Etliches passieren kann, aber irgendwie war da plötzlich wieder dieses Gefühl von Sicherheit, dass ich das Ding locker ins Ziel laufen kann. Was war das für ein absolut geiles Gefühl, als ich endlich Richtung Zielkanal abbiegen durfte und auf dem roten Teppich angekommen war - so viele Menschen die jubeln, Dich auf den letzten Metern anfeuern und quasi ins Ziel tragen – ein absoluter Hexenkessel und eine so großartige Atmosphäre! Laola

Genau dieses Bild hatte ich bei so vielen schweren Trainingseinheiten in den vergangenen Monaten vor Augen und genau das hat mich so oft motiviert. Überglücklich lief ich ins Ziel und finishte nach unfassbaren 11:46 Std. meine 1. LD. Was für eine Premiere! Freuen Freuen Freuen Im Traum hätte ich mir nicht ausgemalt, dass der Wettkampf so unglaublich schön werden würde, ich so viel Spaß haben werde, es mir so leichtfällt und es sich am Ende wirklich wie eine Belohnung anfühlen wird! Für mich war es ein perfekter Wettkampf, der hätte nicht schöner sein können und dann war ich auch noch so viel schneller unterwegs. Geil!!!

Mein Schatz war natürlich bereits lange im Ziel und ebenfalls guter Dinge. Leider hat er sein Ziel - unter 10 Std. zu kommen - nicht ganz geschafft, dennoch hatte auch er einen sehr guten Wettkampf und war zufrieden. Dafür haben wir in den letzten Monaten Beide auf Etliches verzichtet und sehr viel auf diesen einen Tag hin ausgerichtet Quäl dich.

Abschließend kann ich nur sagen: Alles richtig gemacht und es wird sicherlich nicht meine letzte LD gewesen sein Dumdidum
 
06.08.2017 09:35 Uhr von Grit  

Beiträge: 352
Challenge Roth 2017

Ob sich für mich in den nächsten Jahren tatsächlich mal der Wunsch nach Kona entwickelt? Keine Ahnung Überlegen Dass Langdistanz jedoch viel Spaß machen kann und es bei mir sicherlich nicht bei einer Einzeltat bleibt, durfte ich diesen Sommer feststellen.

Eigentlich wollte ich in der langen Vorbereitungszeit ja auch Blog dazu schreiben PC. Dies ist leider (wie Vieles andere auch) auf der Strecke geblieben. Schade eigentlich, denn die Erfahrungen aus der Vorbereitungszeit waren so vielfälltig, dass da bestimmt etliche Storys und Seiten zusammen gekommen wären Hääääh

Im Nachhinein kann ich eigentlich nur zusammenfassen, dass ich in den vergangenen Monaten nicht nur viel trainiert habe, sondern mich auch (mehr als mir oft lieb war) mit Radtechnik, Ernährung, Renntaktik, unerwünschten Reaktionen des Körpers etc. auseinandersetzen musste Hammer Es ist bei so einer Geschichte eben nicht einfach nur das Training ... das hatte ich im Vorfeld absolut unterschätzt!

Anfangs lief alles noch richtig gut und von Stephan´s langjährigen Erfahrungen konnte ich echt profitieren. Manchmal ging er mir damit zwar etwas auf die Nerven Kuß, am Ende hat sich das Meiste allerdings als sehr hilfreich heraus gestellt Zwinkern
Mehr als nervig war allerdings die Radanpassung - der neue Flitzer samt Sattel passte irgendwie nicht so richtig unter mein Hinterteil Ärgerlich Drei Sattel und viele Schmerzen weiter hatte ich dann endlich die für mich einigermaßen eträgliche Position gefunden. Durch dieses ewige Ausprobieren und die ständigen Schmerzen/ Entzündungen kamen allerdings auch Zweifel auf und zum Ende hin ging mir dann auch noch die Motivation flöten Haare raufenÄrgerlich
Eine zusätzliche Ruhewoche gab mir dann wenigstens wieder ein einigermaßen vernünftiges Körpergefühl und auch der Kopf war plötzlich wieder auf Roth eingestellt.

Mit dem Wissen, gut trainiert zu haben, ging es dann in die letzten (ruhigen) Tage vor dem Wettkampf. Mehr wäre - neben der vielen Arbeit der letzten Monate - trainingstechnisch einfach nicht drin gewesen. Das ich es schaffen kann? Da war ich mir sicher! In welcher Zeit? Kein Ahnung, dass konnte ich nicht einschätzen Überlegen Waghalsige Hochrechnungen hatten mich zu einer Zeit von ca. 12:30 Std. verleiten lassen Dumdidum - immer mit dem Wissen, dass dann schon alles gut laufen musste! Aber eigentlich auch egal, denn die Zeit spielte tatsächlich nur eine untergeordnete Rolle.

Einfach nur finishen - das war das Ziel! Evtl. noch Spaß und wenige Probleme - das war der Wunsch! Dumdidum

PS: Der ausführlich Rennbericht kommt - zwar ordentlich verspätet - dann tatsächlich aber auch noch ZwinkernPC
 
08.09.2015 12:53 Uhr von Mario  

Beiträge: 367
Ironman 70.3 Zell am See

Auch ein verspäteter Glückwunsch von mir, mein Bester TopTop

An Dir ist wirklich ein "Dokumentarschreiber" verloren gegangen. Deine Worte lassen beinahe meine Wehwehchen vergessen um mich sofort mit Badehose, Helm bzw. Laufschuhe zu bewaffnen.

Michael, super Leistung!!!
 
05.09.2015 12:14 Uhr von Stephan  

Beiträge: 1378
Ironman 70.3 Zell am See

Glückwunsch und wie immer sehr nett geschrieben! Danke
 
05.09.2015 08:35 Uhr von Michael  

Beiträge: 204
Ironman 70.3 Zell am See

Ironman klingt gut, umweht der Begriff vor allem der Mythos seines wohl bekanntesten Rennens auf Hawaii. In erster Linie handelt es sich dabei um ein Wirtschaftsunternehmen, welches zahlreiche Triathlon-Rennen unter der namensgebenden Flagge rund um den Globus veranstaltet. Diese tragen den erklärenden Zusatz 70.3 für die halbe Distanz (in Meilen, sprich 1,9/90/21,1 in km) sowie der Langdistanz (logischerweise die doppelten Strecken). Nur bei diesen Rennen ist es durch außergewöhnliche Leistungen möglich, sich für die WM der jeweiligen Streckenlänge zu qualifizieren. In diesem Jahr wurde die WM auf der Halbdistanz erstmalig außerhalb des amerikanischen Kontinents ausgetragen. Mit Zell am See wurde ein Veranstaltungsort ganz nach meinem Geschmack gefunden, und Norbert Tesch aus den Reihen des SV Hellas, der mich auf dieses Rennen hinwies, fand in mir sehr schnell einen Mitstreiter.

Nach meinem geglückten Langdistanzdebüt im vergangenen Jahr beim Ostseeman hatte ich mir für dieses Jahr zwei Saisonhöhepunkte ausgesucht. Den Two Ocean Marathon in Südafrika konnte ich mit einer Mischung aus Trainingsumfängen des Vorjahres und Last-Minute Long Jogs so gerade noch bewältigen, aber einige Verletzungen behinderten mich eine geraume Zeit vor allem beim Laufen, so dass ich mit reichlich Trainingsrückstand Anlauf auf das zweite Saisonhighlight nahm. Dank des regelmäßigen Schwimmtrainings machte ich an diese Disziplin sehr schnell einen Haken. Radfahren bereitete mir zudem keine Komplikationen und mit der richtigen Dosierung kam ich auch beim Laufen wieder besser in die Gänge, wenngleich es an Tempo mangelte.

So fuhr ich nach Zell in dem Wissen, dass ich diese Mal nicht auf meine Laufstärke vertrauen konnte und stattdessen beim Radfahren versuchen musste, Zeit gut zu machen. Die Wetterprognosen hielten ihr Wort und wir erwischten eine perfekte Sommerwoche mit Sonne und teils mehr als 30 Grad – ideale Bedingungen für mich. Der Ort war rappelvoll mit Teilnehmern aus allen Winkeln des Erdballs, die sich entweder für die WM am Sonntag qualifiziert oder, wie ich, für das Rennen im "Vorprogramm" am Samstag gemeldet hatten. Die Stimmung war großartig und bei der Rennbesprechung wurde in Anbetracht der rund 2.200 Teilnehmer jedem klar gemacht, dass er sich an die Regeln dieses Sports halten möge, da sonst Verwarnungen, Zeitstrafen oder, schlimmer noch, die Disqualifikation drohte. Kampfrichter aus den USA sind für ihre strenge Regelauslegung bekannt.

Der Vorabend-Check-in ließ die Anspannung steigen. Mein Rad wurde an seinem Standort eingehängt und der Luftdruck in den Reifen vorsichtshalber reduziert, damit ich am nächsten Morgen nicht auf einen Hitze-Platten treffe. Die Wechselbeutel wurden auf die markierten Haken deponiert und ich prägte mir die Laufwege genau ein. Die Wechselzone lag im Fußballstadion neben dem Strandbad und eröffnete einem die gewaltige Dimension dieses Events.

Der Renntag begann mit dem Frühstück um 5 Uhr und der obligatorischen Ungewissheit, ob ich alles bedacht und sämtliche Sachen gepackt hatte. Auf dem Weg zur Wechselzone sah ich in konzentrierte Gesichter und in mir stieg die Vorfreude auf das Rennen. Schnell noch das Rad aufgepumpt, die Radflaschen angebracht und mit Neo, Badekappe und Brille bewaffnet Richtung Schwimmstart. Der Start erfolgte in Wellen mit 5 Minuten Abstand. Meine Altersklasse erhielt aufgrund der Teilnehmerstärke von fast 300 Athleten ihren eigenen Startblock. Nach einem kurzen Einschwimmen ließ man uns in den Startbereich. Die Sonne ging bereits auf, als wir um 7:05 Uhr endlich losgelassen wurden.

Der Zeller See ist ca. 4 km lang und 2 km breit, von exzellenter Wasserqualität und mit 21 Grad angenehm temperiert. Kurzum, ich fühlte mich sehr wohl in diesem Gewässer und nahm sehr zügig meinen Rhythmus auf. Es kam selten zu Kollisionen mit anderen Schwimmern und ich umrundete nach der ersten Hälfte die beiden Wendebojen auf dem Weg zurück Richtung Schwimmausstieg. In vielen anderen Freigewässern habe ich mit Allergieartigen Erscheinungen zu kämpfen und die Schleimhäute in der Nase schwellen an – nicht so in diesem See. Nach für mich passablen 38 Minuten (Zwischenplatzierung 131. AK, 1027. gesamt) entstieg ich dem kühlen Nass und schnappte mir meinen ersten Wechselbeutel, zog mich im Zelt um und schwang mich auf das Rad. Die Größe der Wechselzone kostete mich in Summe rund 10 Minuten meiner Gesamtzeit, ein weiteres Indiz für die Dimension dieser Veranstaltung.

Auf die Radstrecke freute ich mich besonders. Zum einen wegen des beeindruckenden Panoramas zahlreicher 3.000er wie Großglockner, Kitzsteinhorn oder Großvenediger, aber vor allem wegen des bevorstehenden 13 km langen Anstiegs zum Filzensattel auf mehr als 1.200 Meter Höhe, der alleine mehr als 600 Höhenmeter der Strecke beanspruchte. Vorab ging es in zügigem Tempo auf die ersten 20 km und die Sonne sorgte schnell für ansteigende Temperaturen. Ich arbeitete mich schnell nach vorne und erreichte nach knapp einer halben Stunde den Anstieg. Auf den ersten 11 km wechselten sich gemäßigte Steigungen mit kurzen, fast flacheren Passagen ab. Das Panorama war umwerfend! In Dienten kam der gefürchtete Schlussanstieg. Auf fast 2 km ging es mit 14% bergan und etliche Fahrer stiegen entweder vom Rad oder riskierten bei erstaunlich geringer Geschwindigkeit, schlichtweg umzufallen. Hier kamen mir die Trainingshöhenmeter zugute und auf dem Filzensattel entfuhr mir ein Jubelschrei. Direkt im Anschluss ging es rasant bergab. Auf dem 15%igen Gefällstück fuhren viele Mitstreiter sehr verhalten und ich musste höllisch aufpassen, keinen umzufahren. Einige unschöne Stürze hinterließen sichtbare Verletzungen bei den Athleten; es waren zum Glück wenige Ausnahmen. So ging es nach der Abfahrt noch weitere 10 km sanft bergab und die Geschwindigkeit auf diesem Stück betrug im Mittel mehr als 50 km/h. Auf der zweiten Streckenhälfte durchquerten wir für die Region typische Ortschaften wie Mittersil oder Kaprun und fanden mit weiteren 300 HM nur noch wenige Steigungen vor. Meine einzige Pinkelpause wurde mit einem erhobenen Zeigefinger des Wettkampfrichters quittiert, also abklemmen, weiterfahren und keine Stop-and-Go Strafe riskieren. Meine spätere Auswertung ergab, dass ich auf dem Bergstück im Mittel 17 km/h, auf dem Rest der Strecke 39 km/h schnell war. So fuhr ich nach 2:47 sehr unterhaltsamen und schönen Stunden zum zweiten Mal in die Wechselzone (Zwischenstand 76. AK, 537. Gesamt) . Dort konnte ich meine "Abwässer" regulär im Dixie entsorgen und nach der zweiten Umkleide ging es auf die Laufstrecke.

Mittlerweile strahlte die Sonne bei 27 Grad fast senkrecht vom Himmel, und die Zuschauern schwitzten mit den Athleten um die Wette. Gut gelaunt wählte ich ein solides Angangstempo, doch was war das? Die Beine fühlten sich nicht locker an, die Atmung war unrhythmisch und schon zu Beginn deuteten sich leichte Krämpfe an. Sollte ich erstmalig auf dem Rad zu viele Körner gelassen haben? Ich steuerte die ersten beiden Verpflegungsstellen an und versorgte meinen Körper innerlich und äußerlich, wie ich es bei Hitze schon häufiger getan habe. Die ersten 7 km fühlten sich quälend an und der langgezogene Anstieg vor dem Wendepunkt entlang des Sees saugte mehr Kraft aus den Beinen als mir lieb war. An der nächsten Labestelle (wie der Österreicher sagt) kippte ich nochmal ordentlich Flüssigkeiten in und auf mich und nutzte den abschüssigen Teil auf dem Rückweg nach Zell zur Regeneration. War es dieser Streckenteil oder die einsetzende Wirkung des ersten Gels, aber danach lief es. Endlich bekam ich Zugriff auf die Strecke und ich besann mich auf meine Lauferfahrung und dem Wissen, dass ich mit solchen Situationen umzugehen wusste. Norbert kam mir derweil mit entschlossenen und kraftvollen Schritten zügig entgegen und ich wünschte ihm alles Gute für den Rest der Strecke. Mir ging es zunehmend besser und ich überholte stetig Mitläufer. Zurück in Zell holte ich mir das zweite Rundenbändchen ab und absolvierte die zweite Hälfte entschlossener und mit einer deutlich besseren Körperspannung. Norbert begegnete mir zum zweiten Mal und sah immer noch ausgezeichnet aus. Am Ende reichte es für ihn leider nicht zum erhofften Platz auf dem Podest, aber ein 6. Platz in seiner stark besetzten Altersklasse ist wirklich sensationell! Nach 1:43 h Laufzeit bog ich in den Zielkanal ein und überquerte nach 5:18,43 h als 48. meiner Altersklasse und dem 425. Gesamtrang glücklich das Ziel. Mehr war nicht drin und im Vorfeld hatte ich mit einer Platzierung unter den ersten 100 meiner AK geliebäugelt. Was will ich mehr!

Im Ziel traf ich Norbert wieder, der erschöpft, aber sehr zufrieden mit seiner Leistung war. Gemeinsam nahmen wir unsere Medaille und das Finishershirt entgegen und füllten unsere entleerten Speicher mit Pasta, Teilchen und Getränken auf. Kurz darauf traf ich auch Diana, die mir, wie immer, in der Vorbereitung und am Wettkampftag zur Seite stand, mich anfeuerte, fotografierte und mir die Motivation gab, alles aus mir rauszuholen. Ich weiß gar nicht, wie ich ihr jemals gebührend danken soll!

Fazit: Eine tolle Veranstaltung in einer traumhaften Umgebung und ein erfolgreicher Wettkampf nach durchwachsenem Saisonstart. Ich bin ich endlich im Triathlon angekommen und kann meine Kräfte auf alle Disziplinen gleichermaßen verteilen. Davor habe ich mich fast ausschließlich auf meine Laufstärke verlassen. Und bei der späteren Siegerehrung und der damit verbundenen Vergabe der WM-Startplätze für das nächste Jahr in Australien kommen einem schon mal kuriose Gedanken...
Dumdidum
 
22.08.2014 12:08 Uhr von Johannes  

Beiträge: 126
Ostseeman

Wenn auch reichlich verspätet:
Auch von mir herzlichen Glückwunsch an die beiden Eisenmänner.
Großartige Leistung und tolle Ergebnisse.
Bei Eueren Berischten und den Fotos könnte man glatt glauben Ihr hättet dabei auch noch Spaß gehabt!
Viel Fleiß - viel Preis!Laola

Gruß
Joh.
 
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