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27.10.2013 - Röntgen Ultramarathon - Mein erster Ultra














Bei unserem Spaßmarathon 2012 in Nizza kam das erste Mal das Gefühl auf, dass im Ziel noch einige weitere Kilometer möglich gewesen wären. Der Gedanke, mal einen Ultramarathon zu laufen, war damit nicht mehr weit weg und Stephan lieferte auch prompt die ersten Vorschläge. Da es lang und langsam werden sollte blieb für unser Vorhaben nur die Zeit nach der Triathlonsaison und somit ein Lauf irgendwann Ende Oktober. Hervorragend passte da der Röntgenlauf in Remscheid, zumal eine Woche Urlaub im Anschluss das Ganze perfekt abrunden und die nötige Erholungspause liefern könnte.

Nach einem Marathon allerdings noch mal einen Halben hintendran zu hängen und dabei noch etliche Höhenmeter zu bewältigen, liess mich doch ordentlich Respekt haben. Aber ich hatte es mir fest vorgenommen und außerdem hat mir das hügelige Laufen im letzten Herbst viel Spaß gemacht. Also hieß es nach Vichy lange Läufe mit einigen Steigungen zu kombinieren. So lief ich nach Kaldauen, Stallberg, Lohmar, Heide, zur Talsperre, nach Happerschoss und nahm dabei alle Steigungen, Trails und Mountainbikewege mit, die mir in den Sinn kamen. Irgendwie machten mir die langen Läufe allein überhaupt nichts aus und es hat sogar viel Spaß gemacht. Allerdings spielte nach einigen Wochen meine Hüfte verrückt und ich bekam wieder diese unglaublichen Schmerzen in der Leistengegend (hatte ich in der Triathlonvorbereitung ja auch schon). Ganz schlimm war es bei unserem Probelauf am 03. Oktober, als wir nach Remscheid gefahren sind und einen kleinen Teil der Strecke mal abgelaufen sind. Mit Massagen, Dehnen und etwas Ruhe hielt es sich jedoch in Grenzen und wurde zum Glück nicht schlimmer – weg war es allerdings auch nicht...
Für den Kopf lief ich dann kurz entschlossen in Köln einen flotten HM. Das schnelle Laufen machte mir überhaupt keine Probleme, der Rudolfplatz war wieder meins und ich hatte im Ziel keinerlei Schmerzen! Das Resultat war auch besser als erwartet und die anschließende Runde am Rhein wurde nur durch den nass kalten Wind etwas schwierig.

Guter Dinge ging es dann am 27. September mit Micha und Stephan nach Remscheid. Die Koffer für den Türkeiurlaub waren bereits gepackt, die Aufregung um die kurzfristig abgesagte Reise hatte sich gelegt, eine neue Reise war gebucht, der Kopf war frei und die Beine waren erholt und schmerzfrei. Was sollte also schon groß passieren? Bei Schmerzen hätte ich ja auch immer noch bei HM oder M aussteigen können. Pünktlich zum Start kam dann sogar die Sonne ein wenig raus. Zusammen mit den Marathonis und Halbmarathonis ging es bewusst langsam auf die Strecke und es war gar nicht so leicht, so ein langsames Tempo im Wettkampf zu laufen. Nach genau einer Stunde passierte ich die 10 km–Marke und nach zwei Stunden die 20 km-Marke. Ich war also gut im Zeitplan, aber das war auch nicht wirklich schwer, lief es doch bis dahin wirklich locker und entspannt. Weniger angenehm waren allerdings die plötzlichen Regenschauer mit heftigem Wind und ordentlich matschige Anstiege.

Am HM-Zielbogen vorbei ging es dann weiter auf den nächsten Abschnitt der 63,3 km. Laut Profil sollte es auf den nächsten 21 km mehr runter als rauf gehen, aber irgendwie habe ich das Runter gar nicht so wahrgenommen. Ständig kam nach einem Abwärtsstück direkt wieder eine Bodenwelle, so dass man irgendwie nie mal eben laufen konnte. Einige Abschnitte waren dann aufgrund des weichen Bodens und Regens auch echt grenzwertig... Da ich ja wusste, was noch kommt, habe ich mich hier ordentlich zurück gehalten und bin die steileren Stücke sowie an den Verpflegungsstellen gegangen. Zwischendurch hieß es immer wieder Jacke an / Jacke aus, denn mal war es am Regnen, dann wieder trocken oder windig – das Wetter konnte sich irgendwie nicht so richtig entscheiden. Den anderen Läufern ging es offenbar auch nicht anders, manche hatten Rucksäcke dabei und förderten je nach Wetter Etliches zu Tage. Landschaftlich war es eine echt tolle Strecke, doch bei dem Wetter konnte ich es nicht wirklich gut genießen. Als ich einige Kilometer vor dem Marathonziel dann endlich eine bekannte Stelle passierte (kannte ich vom Probelaufen), war ich schon ganz schön erleichtert. Jetzt waren es nur noch ca. 26 km – das Meiste hatte ich also schon hinter mir! Die letzten Kilometer bis zum Marathonziel bin ich dann mit drei Jungs zusammen gelaufen, die leider nur bis zum Marathon laufen wollten. Aber selbst für das kurze Stück war es eine nette Abwechslung, denn Quatschen lässt die Zeit ja bekanntlich schneller vorbei gehen. Das Marathonziel lag dann im Schwimmbad. Hier war nach all der Ruhe plötzlich richtig Stimmung in der Hütte. Dumm nur, dass es für mich ja noch weiter gehen sollte. Da blieb also nicht viel Zeit und Muße, die Stimmung zu genießen. Schnell ein Stückchen Müsliriegel (selbst gemacht und sau lecker!!!) in den Mund geschoben, kurz mit Micha geschnackt und dann ging´s auch schon weiter. Ehrlich gesagt, habe ich hier schon kurz überlegt, ob ich nicht auch aufhören soll. Aber irgendwie hatte ich es mir ja vorgenommen und so schlecht ging es mir eigentlich auch noch nicht. Allerdings wusste ich auch, dass im 3. Teil die heftigen Anstiege plus Ermüdung plus Schmerzen kommen werden... War der Kopf dafür stark genug?
Wie schon gedacht, wurde es plötzlich recht leer auf der Strecke. Und dann waren da ja noch diese Berge, die ich vom Probelaufen her kannte. Das würde kein Spaß werden! Bis Kilometer 50 lief es dann doch ganz gut und obwohl es zwischenzeitlich in Strömen goss, konnte ich ganz gut und gleichmäßig laufen. Plötzlich bekam ich allerdings heftige Seitenstiche, so dass ich immer nur wenige Meter laufen konnte und dann kurz gehen musste - an rundes Laufen war überhaupt nicht zu denken. Die Zeit verstrich nicht, die Kilometer vergingen nicht und überhaupt waren es gute 7 Kilometer eine ganz schöne Quälerei. Doch dann ging es plötzlich wieder und irgendwann waren 58 km rum und plötzlich kam das erlösenden 60-er Schild. Jetzt wusste ich, dass ich es – egal wie – schaffen werde. Die Strecke an der Talsperre entlang war zur Abwechslung auch mal flach, was meinen Beinen recht gut tat. Plötzlich wollten sie wieder und ich kam ein wenig aus dem schluffigen Schritt von vorher raus. Man hätte es wohl tatsächlich Laufen nennen können. Als hätten wir an diesem Tag nicht schon genug Berge im Programm gehabt, erwartete uns ca. 1,5 km vor dem Ziel noch mal ein richtig Giftiger. Er war lang und steil und am Ende blies ein ordentlicher Wind – natürlich von vorne… Als ich aber ca. 2/3 geschafft hatte und das Ende sah, wusste ich, dass es gleich geschafft war. Bei unserem Probelaufen hatten wir dort nämlich gedreht und geschaut, wo der Zieleinlauf ist. Daher wusste ich, dass es nur noch wenige Meter waren und diese auch noch bergab gingen. Die letzten Energiereserven freigesetzt lief ich den restlichen Berg hoch und rannte die 300m bergab förmlich ins Ziel. Eine letzte Kurve und dann war da auch endlich der ersehnte Zielbogen. Micha und Stephan erwarteten mich bereits und ich war einfach nur glücklich, es geschafft zu haben.

Stephan war bereits seit einer Stunde im Ziel, hatte geduscht und sah irgendwie so aus, als hätte er gar nix gemacht :-) Micha hatte im Marathonziel mit schweren Beinen vernünftigerweise aufgehört und war natürlich ebenfalls geduscht und schon wieder erholt. Nach meiner wohlverdienten Dusche fuhren wir dann auch schnell zurück nach Hennef, denn so richtig einladend war das Wetter zum weiteren Verweilen dort halt nicht.
Mit blasenfreien Füßen ging es dann am nächsten Morgen bei stürmischem Herbstwetter für eine Woche in die Sonne. Der Muskelkater hielt sich in Grenzen (das hatten wir uns Beide deutlich schlimmer vorgestellt), so dass sogar ein paar kleine Strandläufchen, Schwimmen und Beachvolleyball drin waren. Das war die perfekte Erholungswoche und hat, wie erwartet, nach der Anstrengung sehr sehr gut getan.












Bericht: Grit
 
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